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Der verlorene Horizont
10.01.2011 - Grundlagen der Fotografie
Neben vielen Feinheiten gibt es eine Handvoll von einfach zu befolgenden, aber essenziellen Regeln, die einen Schnappschuss von einer guten Fotografie unterscheiden.
Hier möchte ich ein paar Informationen über den richtigen Verlauf der Horizontlinie in einer Fotografie vermitteln.
Generell kann man sagen: Der Horizont auf einer Fotografie sollte auch wirklich horizontal verlaufen, und wenn der Horizont nicht selbst sichtbar ist, sollte man darauf achten, dass andere waagerechte oder senkrechte Merkmale im Motiv auch wirklich waagerecht oder senkrecht abgebildet werden. Dies können zum Beispiel Schornsteine, Türme oder hohe, gerade gewachsene Fichten sein.
Insbesondere wenn der Horizont durch eine Wasserfläche dargestellt wird, also zum Beispiel das klassische Motiv: verliebtes Paar steht am Strand und guckt in den Sonnenuntergang, gibt es keinerlei Begründung dafür, den Horizont in diesem Foto schief zu setzen, es sei denn, Sie wollen bewusst dilettantisch wirken.
Natürlich gibt es auch Ausnahmen von dieser Regel, wobei man generell erst einmal in statische und dynamische Motive unterscheiden muss.
Statische Motive, d.h. alle Motive, die sich nicht bewegen und einen direkt sichtbaren Horizont (oder auch einen indirekt sichtbaren, zum Beispiel durch Schornsteine) beinhalten, verlangen zwangsweise nach einem waagerechten Horizont.
Dynamische Motive, d.h. Motive in Bewegung oder Motive, die man aus gestalterischen oder künstlerischen Gründen dynamisch wirken lassen will, können hingegen auch mit einem schiefen Horizont abgebildet werden.
Allerdings sollte man sich schon bewusst sein, dass ein exzessiv eingesetzter schiefer Horizont nicht exzessiv dynamisch wirkt, sondern einfach nur unprofessionell.
Während die Printmedien traditionellerweise immer noch meistens ausgebildete Fotografen und/oder Fotoredakteure beschäftigen und deshalb schiefer Horizont dort praktisch nie zu sehen ist (schlechte Katalogproduktionen ausgenommen), wird das Internet geradezu überschwemmt mit schlechten Schnappschüssen, die uns zum Teil als "hochwertige" Fotografie verkauft werden.
Ich bin gewiss kein reaktionärer Traditionalist, aber ich denke, dass eine simple Handvoll von Grundregeln einfach beachtet werden sollte. Wenn man gegen jede Regel rebellieren muss, und die Anwendung jeder traditionellen und sinnvollen Regel einfach aus dem Grund verweigert, dass man ein künstlerischer Rebell ist, ist in meiner Ansicht nach weder ein Rebell, noch besonders künstlerisch, sondern wahrscheinlich in der Pubertät stecken geblieben.
Nachfolgend findet ihr noch ein paar Links zu besonders schönen (oder eigentlich natürlich schlechten) Schnappschüssen, die uns auf großen Internetportalen als „Fotografie“ verkauft werden sollen:
» Der schiefe Parkplatz macht das Auto nicht wirklich dynamischer
» Dito Flugzeug
» Ein sehr schönes Beispiel, bei dem ein "professioneller" "Fotograf" einen schiefen Schnappschuss abliefert, der zudem total unterbelichtet ist. Hier sollte man einen Aufhellblitz einsetzen, oder bei Verzicht darauf, die Silhouette konzequent schwarz als reinen Schattenriss zeigen. Dieses Mittelding ist einfach eine schlechte Fotografie.
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Abe Mossop
Photograph und Texter aus Hamburg
